Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Samstag, 7. Januar 2017

In der Bucht



Hier ist kein Meer. Auch kein Sand. Oder Gestein. Was uns immer wieder von der Bucht sprechen lässt, ist die Form. Es ist die Form, wie hier das Gras wächst. Wir haben vieles unternommen, der Art, wie es wächst, eine andere Richtung zu geben. Etwas Gleichmäßiges. Wir haben versucht, den Bogen der Bucht aufzufüllen. Mit Gras. Wir ließen es von der anderen Seite auf die Bucht zuwachsen. In sie hinein. Um etwas Ganzes zu haben. Und die Bucht sich schließt. Die Bucht blieb. Was an sich kein Grund zur Beanstandung wäre. Nur ist dies hier ein Spielfeld. Auf dem man nach festgelegten Regeln spielt. Die Regeln sind einfach: Vier Spieler. Die versuchen, einen Ball so im Feld zu platzieren, dass er für die Gegner unerreichbar ist. Die Bucht jedoch mit ihrem Bogen macht das Spielfeld zu etwas Unförmigem. Das Feld ist uneben. Und damit unbegreifbar. Weil es nicht griffig ist. Die Bucht darin stellt eine Kante dar. Der Ball trifft oft auf die Kante. Er springt ab. Er verspringt. Manchmal zerspringt er sogar. Kommt der Ball auf die Kante, wird manchmal ein Spieler getroffen. Für ihn ist es das letzte Spiel. Auf diesem Rasen. In der Bucht. Aber die Menschen, die dieses Spiel sonst unter klaren, eindeutigen Bedingungen spielen (schon ein Leben lang - ohne die Kante der Bucht), lieben diesen Platz. Sie lieben die Bucht. Sie kommen gerne hierher. Und ihr Einsatz ist hoch. Der Bucht liegt auch immer eine Verheißung zugrunde. Seit jeher: Dass sie Bucht wird. Und das Meer kommt. Während man hier spielt. Dass das Wasser kommt. Und die Kante auf den Meeresboden sinkt. Um dort von der Kante den Absprung zu wagen. In etwas. Das noch unter dem Meer liegt.  

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