Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Donnerstag, 15. August 2019

Code

Ich weiß nicht, was nach dem Moos kommt.
Etwas Süßliches vielleicht.
Etwas, das sich rau anfühlt.

Der Pfad führt mich in eine Trockenzeit.
Nach einer Weile schuppt sich meine Haut.
Und ich betrete als Reptil den Saal,
in den der Weg mündet.

Hier umgeben mich glänzende Ströme.
Sie sind an den Wänden zu sehen.

Meine Haut löst sich.
Jetzt stehe ich nackt in der Mitte des Raums.
Nur um Hals und Hände trage ich etwas.
Es sind Zeichenketten.
Sie entstammen den Vögeln (das sagen sie selbst) -
und sind von Gehäusen umschlossen (jedes einzelne für sich).

Die Zeichen verbinden sich mit den Strömen an den Wänden.
(von dort aus verbreiten sie sich schnell)
Schon sind sie außerhalb des Saals -
und vertrauen sich ihrer Umgebung an.

Von hier finden sie Zugang zur Straße.

Dienstag, 13. August 2019

Neusprech

Der Blick ging von den Bäumen aus.
Silbrig standen sie da.
Um ihre Stämme rankten sich geflochtene Bänder.

Ich ging zurück zum Studio -
und hielt mich dabei dicht am Boden.
Der Wind war jetzt sehr stark.

Man nannte diesen Ort Tropischer Mund.
Der Name gefiel mir.
Und ich machte ihn zum Passwort für alle Logins.

Begann die Sitzung, sprach ich Es mundet in den Raum.

Mundet wird zum geflügelten Wort (später sogar ein Label) -
und ich zeichne eine Nachtsonne dazu, auf die es sich zubewegen kann.

Wieder gehe ich zu den Bäumen und nehme Witterung auf.
Noch ist hier nichts.
Aber an der Naht des Waldes läuft schon etwas auf und ab.
Und ich werde mein Netz danach auswerfen.

Donnerstag, 8. August 2019

Meme

Plötzlich waren die Türme da.
Ich sah sie, während ich am Rand der Stadt wartete.
Ihre Bässe erreichten mich sogar hier.
Man hatte mich angewiesen, sie hinter mir zu lassen -
und mich so weit hinaus zu bewegen, bis ich sie nicht mehr hören konnte.
Aber sie folgten mir, kamen immer wieder in mein Ohr und schlugen dort weiter.

Etwas blieb also.

Ich war mir nicht sicher, ob ich schon an der Schnittstelle war, von der man mir erzählt hatte – denn auf dem Übergang von Stadt zu Land sollte ich selbst eine Schnittstelle werden.

Jetzt bin ich hier.
Das ist der Anfang.

In diesem Moment fährt eine Karosse vor.
Ich steige ein, und die Fahrt beginnt.
Der Weg führt durch eine gemusterte Bergwelt.
In ihr liegt etwas verborgen – so die Erzählung.
Je länger ich fahre, desto körniger wird die Landschaft.
Dann hält der Wagen, und ich steige aus.
Der Plan sieht vor, dass ich mich jetzt verirre.
Schon tauchen Schwäne auf.
Und ich analysiere das Wasser.

Mittwoch, 31. Juli 2019

U-Topos (Unmöglicher Ort)

Die Strömung ist in den Bildern.
Ich vermute ein Gewölbe, das sie durchzieht.
Es reicht bis an den Rand der Wälder.
Dort (auf der Lichtung stehend) betrachtet jemand die Ringe des Saturn.
Auch am Himmel strömt es jetzt.

Man kommt auf den Alleen zusammen (sie befinden sich auf der anderen Seite)
und besieht das schwebende Zeichen.
Die Strömung wird stärker.
Das spüren hier alle (auf beiden Seiten) -
und wenden sich der Schrift zu, die auf den Wänden der Häuser erscheint.

Dies ist eine Kulisse, sagt man sich -
den Auftakt ahnend, für den sie steht.
Dahinter (im Kern des Bildes der Kern der Stadt) prägt man schon Münzen in diesem Zeichen.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Nachtwärts


Ich habe die Kerzen befragt.
Sie sind Intarsien des Lichts,
das dieses Zimmer ausleuchtet.

Der Raum ist das Projekt.
Er ist eine Welt aus Möglichkeiten -
begrenzt durch seine Außenwände.

Heute trägt er Gefieder -
und gibt vor, das Kaufhaus Magnet zu sein.

Sein Boden ist mit Mosaiken geschmückt -
und an den Wänden ranken Warenketten.
Sie sind zum Niederknien -
und ich versinke in etwas wie Kontemplation,
aus der ich noch vor der Nacht wieder herausfinde.

Die Tür öffnet automatisch.
Und ich trete hinaus in einen Garten aus durchsichtigen Fundstücken.

Dienstag, 23. Juli 2019

Nacht der Sirenen (Along the way)

Ich bewege mich auf geteerten Bahnen -
und gleite an Feldern vorbei.
Mein Blick wandert über trockenes, staubiges Korn -
eine vergessene Ernte vielleicht.

In der Mitte hat man Ballen aufgetürmt.
Ich lese sie als eine Installation.
Sie erinnert mich an die Mechanik der Malven.
(auch sie wachsen als aufsteigende Pflanzen).

Irgendetwas singt.

Ich halte an und steige aus.
Ringsum tönt es -
hundertzüngig.

Das Licht wird schwächer.
Schon liegen die Felder im Halbdunkel.
Die Landschaft wird leer -
und ich tauche ein in den Gesang.

Süße umhüllt mich.

Ich bin jetzt in der Mitte eines Dreiecks,
das mir unvollständig erscheint.
(vielleicht haben es Stenografen erschaffen)

Mein Denken verläuft hier ohne Syntax.

Es zeigt sich in barocken Bildern -
und ich bin der Stiftsplatz.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Time traveller

Plötzlich ist das Ufer da.
Ich berühre es mit meiner Zunge und gehe an Land.
Hier finde ich Netze.
Sie trocknen im Sand.
Bei Sonnenaufgang hat man mit ihnen Lichtjahre gefangen -
und sie auf verborgenen Feldern ausgesät.
(das wird man mir später erzählen)

Das Land schmeckt salzig.
Es ist von Kanälen durchzogen.
Und es gefällt mir hier.

Ich gehe weiter -
immer tiefer in die Landschaft hinein, bis ich ganz innen bin -
umhüllt von Fischen und Pflanzen.

Irgendwo auf dieser Höhe muss die Metrostation gewesen sein,
in der ich einst Zuflucht fand, bevor ich von hier ins Offene fuhr -
auf die Lichter zu.

Freitag, 12. Juli 2019

Paläontologie

Vulkanisch, sage ich.
Und deute hinunter auf die Stadt,
deren Flügel jetzt innen liegen.

Ich untersuche das Gelände ringsum.
Und finde Spuren von Phosphor, Mangan und Caesium -
allesamt Elemente mit ungeraden Ordnungszahlen.

Ich sammele sie ein und mische einen Stoff daraus,
mit dem ich von hier oben den unebenen Grund der Stadt bestreue.

Schon wachsen ihr Augen.
(sie werden wachsam sein)

Und die Nähte der einstigen Straßen lösen sich -
und werden zu Zellen eines Waldes,
der nur den Vögeln gehört.

Samstag, 6. Juli 2019

Raum bei Nacht

(1)
Der Himmel ist karg -
darunter eine dampfende Landschaft.
Ich vermute, sie hat ein Innenfutter.
Darin finde ich glänzende Schnäbel
und ein Feld aus Fossilien.

Ganz am Rand sitzen Wasservögel -
umgeben von Zeit.
Ihre Körper sind genäht -
Schicht für Schicht -
aus etwas Weißem.
Unten am Saum sehe ich Metalle.

(2)
Dort ist ein Grundriss.
Er zeigt eine Chaussee.
Man hat sie spiegelverkehrt gezeichnet -
und die Bäume eingefärbt.

Durch die Straße zieht sich Garn.
Es reicht bis in meinen Mund.
Dort verfängt es sich in Pflanzen.

Von hier schaue ich wieder hinaus.
Dort tritt ein Gletscher aus dem Asphalt.
Schon bildet sich eine ganze Felsenstadt -
auf jedem Gebäude steht etwas.
(immer genau ein Wort)

Ich lese Morgenrot -
und schaue auch unter den Fels.
Hier treffe ich auf etwas Weiches -
und nenne es Moos.

(3)
Nebenan läuft jetzt ein Film.
Er ist aus Sternen gemacht.
Die Bilder sind schweigsam.

Ich gebe meinen Standort ein -
und tauche ein in diesen Stoff.

Jetzt stehe ich auf einem Gelände -
umringt von Spiegeln.

Ich sehe Linien aus Garn,
die die Spiegel miteinander verweben -
zu etwas, das ich später in meinem Haar tragen werde -
und dessen Name sich nur bei Nacht zeigt.

Mittwoch, 3. Juli 2019

The appearance of disappearance

Die Augen sind Fenster.
Dahinter finde ich Dinge.
Sie verbergen etwas.
Vielleicht ist es Schmuck -
von jener Art, wie ihn das Farnkraut trägt.

Ich gehe in den Wald gegenüber.
Dort suche ich die Lichtung -
und folge einer Federspur.
Dann stehe ich unter freiem Himmel.

Hier wohnt der Schlaf.
Für ihn macht man Festumzüge -
er zeigt sich nie.

Auf der Lichtung ist Tag.
Es ist immer ein und derselbe Tag.
Ich erkenne ihn an seinem Atem -
mit dem auch die Dinge verschwinden.

Ringsum.

Sonntag, 30. Juni 2019

Den Unken gewidmet

Das Haus gibt Zeichen.
Es steht direkt an der Grenze.
Und speist das Land.

Die Fische sind schon da.
Sie bewegen sich dort, wo das Licht ist -
wo es flirrt.

Das zu sehen, hat etwas Tröstliches.
So gibt es vielleicht doch eine Verbindung zum Wasser.
(das irgendwo hinter der Sonne liegt)

Das Haus bewegt sich.
Und ringsum wächst die Landschaft -
vor mir jetzt ein Garten.
Etwas abseits bilden sich Fjorde.

Und alles berauscht sich daran.

Montag, 24. Juni 2019

Installation (3)

Ich wohne jetzt in den Wäldern.
Sie sind mit einem Netz überspannt.
Wenn ich auf einer der Lichtungen stehe
und nach oben blicke, sehe ich,
dass es mit dem Himmel verwoben ist.
So gibt es eine Verbindung zwischen Luft und Holz.

Die Blüten der Pflanzen hier unten sind von besonderer Art:
Sie gleichen Zeigern und weisen ins Jahr.
Meine Augen folgen dieser Richtung.

Dort hinten ist es schattig.
Und ich empfange Signale aus diesem Bereich,
die (so vermute ich) von den Tieren ausgehen.

Es sind Sonderzeichen.
Sie weisen mich an, hinunter zum See zu gehen.

Dort gibt es Nebelbänke (darin tarnt sich die Zeit, sagt man mir),
die ich mir unter die Zunge lege -
und später (bei meiner Rückkehr) in das Gewebe der Wälder atme.

Sonntag, 23. Juni 2019

Glas

Die Hagebutten sind leiser in diesem Jahr.
Ich lausche einigen Passagen ihrer Gespräche.
Fast flüstern sie schon.

Irgendwann werden sie lautlos sein -
und sich in Zypressen verwandeln.
(davon erzählen sie)

Dann höre ich ein Splittern.

Aus ihrem Holz wird man Uhrwerke schnitzen.
So werden sie lesbar sein - wieder stimmhaft sein -
und sich in die Landschaften ringsum auspflanzen.

Sie werden bis in das Gebiet der Echsen kommen.
Und mit ihnen neue Provinzen gründen.

Das, was dann von ihnen gemeinsam ausgehen wird,
gleicht magnetischen Wellen.
Sie werden alle Gebäude aus den Städten ziehen.

Dann steht ein Gedanke im Raum.
Noch ist er leer - und das Licht bricht sich in ihm.