Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Freitag, 12. Juni 2026

Nackt

 

Am späten Abend

einen glutroten Wald

betreten

Ich umlaufe

die Stämme

Und ein Blick

nach oben

lässt mich kronlos

zurück

Bei den Teichen

 

Auch heute

zieht es mich wieder

zu den Teichen hin

Ich betrachte das ertrunkene Gras

und die matten Zweige am Rand

die mir die Richtung weisen

Morgen komme ich

wieder

Schwingung

 

Du steckst deinen Kopf

unter deinen hölzernen Flügel

dessen Maserung Jahresringe sind

(so sehe ich das)

und sprichst

zu dir selbst

Nichts und Alles

 

Heute tragen alle

denen ich auf dem Weg

in die Felder begegne

Koffer

Eiligen Schrittes

verschwinden sie

im sperrigen Mais

Und etwas tönt

zu mir hinüber

das wie das rauschende Prasseln

der Heuschrecken

klingt

Unterwegs

 

Der Bahnsteig

zerfließt mir

An der Decke

ein Zebrastreifen

Sein Weiß

blendet mich

Dann höre ich

das Signal

und schwimme

zur Tür

Flattern

 

Ich habe den Stoff zerschnitten

der schon seit Tagen

vor meinem Fenster hängt

Jetzt sind es gelbe Bahnen

die der Wind auseinanderhält

als hätte es etwas Anderes

nie gegeben