Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Freitag, 20. Februar 2026

Notizen. 13. Februar. Kanadagans.

 

Durch einen Bahnhof gehen. Nur Körper sehen. Wattierte Menschen. Aber keinen Boden mehr. Über die Durchsagen aus den grauen Lautsprechern hat sich das Gurren der Tauben gelegt. Vielleicht ein erster Frühlingston.

 

Ein rechteckiger Teich mit Kanadagänsen an den Rändern. Ihr Gang verschiebt mir die Richtung. Und dann stehe ich vor dem Haus mit der Leuchtreklame, die ich heute eigentlich gar nicht sehen wollte. Schon bade ich wieder in Neon.

 

Die Häuser hier sind schmal und leicht gebückt. Ihre Fenster sehen mich an. Und ich versuche das auch.

Notizen. 16. Januar. Verstörung.

 

Ich denke an Schlaf und Wasser, bekomme das aber nicht zusammen.

Vielleicht ist die Frage, was zuerst da war.

 

Staub auf Fliesen. Fingerabdrücke auf Glas. Es ist Zeit zu gehen. Richtung Meer wird es klarer.

 

Sich nach oben strecken. Da ist gar nichts.

 

Im Teich die roten Fische. Ein Leuchten von dort. Ein Leuchten an einem Winternachmittag, dem die Fische nie begegnet sind.

 

Scheuermilch. Das Geräusch grässlich. Und die Bewegungen dazu verstören die Kacheln.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Notizen. 15. Januar. Lächeln bis Mitte.

 

Ein hoher Raum mit schwarzen Eisengestängen. Daran Fotografien: Menschen mit Masken im Central Park, Bänke im Winter, ein Zimmer mit schweren Stoffen auf Sitzecken und in den Fenstern. Ich möchte mich setzen, die Augen schließen und noch an diesem Nachmittag in diesem Raum aufwachen.

 

Augen. Haare. Hände. Haut. Und ein Lächeln bis Mitte.

 

Ich singe ein Lied, das ich nie zuvor gehört habe. Jetzt gehört es mir.

 

Überall sind hier Lücken im Holz. Niemand weiß, wie man hinüberkommt. Oder auf welcher Seite man dann steht.

Notizen. 14. Januar. Ackerland.

 

Der Raum ist voller Menschen. Ihre Münder sind weit geöffnet. Sieht man hinein, zeigt sich Ackerland.

 

Der Schnee mischt sich mit schwarzgrauen Steinen. Unter den Schuhen wird man sie ins nächste Jahr tragen.

 

Ich freue mich auf das Meer. Das denke ich, während der Zug eine dunkle Landschaft durchfährt und die Ankunft sich immer weiter verschiebt.

 

Auf einem hohen Gerüst stehen und schwere Lampen abnehmen. Es wird dunkel in der Halle. Und das Gerüst schluckt die Nacht und behält uns.

Notizen. 13. Januar. Erleuchteter Club.

 

Vor einem erleuchteten Club stehen. Die Tür ist immer verschlossen. Vielleicht tanzt man anderswo. Oder sowieso.

 

Das Tauwasser läuft mir in die Schuhe. Ich gehe anders durch den Tag. Tiefer. Aber ohne Grund.

 

In der U-Bahn sitzen. Wir haben uns gesehen. Wir steigen aus. Auch in den Schächten riecht es neu. Ich werde wiederkommen. Und einfach weiterfahren.

 

Der Wind kommt heute aus Südost. Das ändert nicht viel. Aber da ist ein Hauch, dem ich folgen möchte. Die Stadt ist hier ganz anders.

Notizen. 11. Januar. Jenseits des Schnees.

 

Ich habe drei Sterne gesehen. Sie standen direkt über meinem Haus. Dann drehten wir uns weiter. Auf eine rote Sonne hin.

 

Wieder beschäftigt mich der Schnee. Er ist jetzt überall. Auch im Haus. Ich glaube nicht, dass ich ihn hineingetragen habe. Vielleicht er sich selbst. Oder es gibt noch etwas dahinter. Jenseits des Schnees.

 

Ein verfrorener See mit etwas Schilf davor. Ich kann nicht sagen, welcher See es im Frühjahr sein wird.

 

Es gibt Keller mit übervollen Regalen, die sich von ihrer Last befreien, sobald das Licht gelöscht ist.

 

Die Einsamkeit dieses Waldes ist nicht aus der Welt zu schaffen.