Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Montag, 19. November 2018

Rundfunk


1
Über die Wendeltreppe gelangen wir
in unsere Gesichter –
und ziehen weiter zu den Nebelbänken.
Dort küssen wir den Oktopus und
pflücken uns Hornveilchen –
begleitet von Tanzmusik hohlwangiger Vögel.

2
In den vorderen Reihen isst man schon
die Laufschrift der Skyline.
Auf ihren Dächern werden Krähen sein.
Sie sind aus Kunstharz –
und werden uns umarmen.
Alles wird dann Musik sein –
ein endloser Regen.

Donnerstag, 15. November 2018

Naturgeschichte (2)


Ich habe meinen Namen in die Randschicht
der Steilküste geschrieben.

Seither gleicht mein Körper
einem Fasan.

Und ich fliege über Felder,
die Teil einer Serie sind.

Montag, 12. November 2018

Kartografie#1 (Serie)


Ich beschreibe Oberflächen.
Mein Interesse gilt raumbezogenen Daten.
Ich stelle Landkarten her.

Heute bin ich zu einer Insel im Fluss gefahren.
Vom Wasser geht Kühle aus.
Ich untersuche das Gelände und seinen Bewuchs.
Mich umgeben Libellen und Holz.
Die anderen Module hier kenne ich nicht.
Die Insel hält sie vor mir geheim (so mutmaße ich).
Vielleicht gelingt es mir, dieses Geheimnis zu bergen.

Ich muss eine Verbindung eingehen.
Und so vernähe ich am Abend mein Gesicht mit der Landschaft.
Im Spiegel des Flusses betrachte ich mich.
Ich sehe ein Gebilde (ich nenne es Plasma#1).
Es gleicht einem Bienenstock.
Und schon bei Sonnenaufgang gibt es mir eine Antwort.

Mittwoch, 7. November 2018

Inside


Da ist Schnee in der Sanduhr,
der jetzt nach oben steigt
(Auftrieb erhält)
in Richtung Gitter.

Dort warten schon die Eisfischer meiner Pupillen –
und werfen ihre Netze aus.
Ihr Fang ist weiß – weißer als weiß –
und in meinem Körper wird es hell.

Aus der Oberfläche der Uhr treten Meteore hervor.
Sie sind ganz dunkel.

Und so zähle ich einhundertneunundzwanzig Farben,
(zwischen dem Weiß und dem Schwarz)
die sich im Drehkreuz meiner Augen verfangen.

Montag, 5. November 2018

Behind the Curtain (Vorhang 1 - 3)


1
Vor dieser Kamera sind unsere Zellen nackt.
Und unsere Haut klingt hier synchron.
Man legt uns auf Moos.
Schon tauchen wir in unseren Körpern.
(das ist Teil der Performance)
Und im Gegenlicht spiegeln sich unsere Pigmente im Glas.

2
Vom Fenster aus beobachten wir den Fluss.
Er strömt durch Leitungen ins Haus –
bis hinter die Tapete, wo er den Spiegel
(vor dem wir stehen)
mit Schattenbildern speist.
Wir zerreiben sie mit unseren Händen.
Und das elektrische Knistern unseres Haars ist hörbar bis zu den Zypressen.

3
Der Satellit steht senkrecht über dem höchsten Gebäude der Skyline –
und sendet Begehren aus.
Schon rascheln Küsse –
und bilden ein Sternbild auf dem Waschbeton der Geschäftswelt.
Das Bild blinkt –
und spricht rote Blüten in unser Ohr.