Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Mittwoch, 23. März 2016

Solipsistische Interviews III: Bewegungsraum



Als ich mich an den Türrahmen lehnte, bewegte sich die Wand. Sie verschob sich. In Richtung Fenster. Und verschwand im Mauerwerk. Ich setzte mich. Von meinem Sessel aus blickte ich jetzt ins Bad. Eine Wand verrücken. Alle Wände verrücken. Und in verschiedenen Variationen leben. Zum Beispiel großflächig. Eine Wohnung, die aus nur einem großen Raum besteht. Oder die Küche vergrößern. Durch Hinzunahme des Flurs. Die Wand zum Treppenhaus verschieben. Dann ginge die Wohnung ins Treppenhaus über. Auf diese Art  freien Austritt haben. Bei freiem Eintritt. Jederzeit. Ich könnte innenliegende Wände verändern. Und Teile der Nachbarwohnungen integrieren. Die Küche zum Beispiel. Oder jemand verschiebt etwas in meine Richtung. Dann sind Menschen in meinem Bad. Oder der Zugang zu meinem Schlafzimmer ist verstellt. Unaufhörliche Verschiebungen. Jeden Tag. Unabsehbar. Verschachtelt. Und dann die Außenwände. Die Fensterflächen. Die sich nun öffnen lassen. Wie Verandatüren. Es ist jetzt warm draußen. Ich stelle mir einen Stuhl dorthin. Sonne mich. Und lebe nun fast draußen. Im Freien. Ich sitze dort. Und blicke auf die Hauswand gegenüber. Dort hängt ein Bild. Großformatig. Wie ein Plakat. Es zeigt meine Wohnung. Mit starren Wänden.  

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