Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Donnerstag, 6. September 2018

Staunen


Als ein Mosaik aus Neuronen
an einer Schwelle stehen –
und einem Echo lauschen.

Es sind Vogellaute.

Ich gehe hinüber –
und befinde mich im Gefolge der Eulen.
Sie laden mich ein,
mit ihnen Gebiete zu erkunden –
jenseits des Trommelfells.

So fliegen wir vom Hochwald hinunter zum Meer.
Ich höre oxydierte Variationen von Unterwassermusik –
und sitze dann selbst an einer versteinerten Orgel.

Schon fällt Schnee, während ich spiele.
(er ist künstlich – das erkenne ich an seiner Farbe)
Dennoch möchte ich ihn essen, denn ich erhoffe mir etwas.

Und so geschieht es: Mein Mund leuchtet.

Ich warte, bis die Eulen schlafen.
Dann fliege ich hinaus zu den Stränden 
und nehme Platz auf einem Fels in der Bucht.

Hier werden sich meine Augen an den Wind schmiegen,
bis ich zur Schwelle zurückkehre.

Dienstag, 4. September 2018

Kamerafahrt


Heute liebkose ich die Brandung
in einer Nebenstraße –
und gehe weiter zu dem Uhrwerk,
das sich aus Monden speist.

Jetzt wird es hell in diesem Bild –
und ich sehe zahllose Bauten auf Lichtquadraten.

Hier wächst eine Lichtung.

Mit einem gläsernen Fahrstuhl
fahre ich an ihren höchsten Punkt –
und blicke auf eine Landschaft,
in der gerade ein Kino Wurzeln schlägt.

Wunderkammer (2)


Der Tunnel ist ein Rohbau –
eine Zone, die ich noch nicht betreten kann.

Blicke ich durch mein Vergrößerungsglas,
sehe ich Kirschrotes und Gesichter
auf den Steinen seines Mauerwerks –

und kann fortan auch in Mosaiken denken.

Montag, 3. September 2018

Fischkunde


In einem Raum sitzen
und alles als Kiemen denken:
Die Nacht, die Weiden –
und auch den gläsernen Quader vor mir,
der ein Aquarium ist.

Die Kiemen sind Fenster.

Ich stehe auf und blicke durch eines.
Da sitzt jemand am Klavier –
und spielt ein Stück von den Küstenzonen.

Die Töne gehen in Klopfzeichen über.
Das sind die Fische. So erzählen sie.
Und ich lausche ihrer Geschichte,
in der die Austern mein Ohr trinken.

Sonntag, 2. September 2018

Expedition (2)


Ich schwimme in einem Salzsee –
immer im Uhrzeigersinn.
Dann halte ich inne –
und betrete ein Foyer.

In der dahinterliegenden Halle
ist die Brutstätte der Libellen.
Man sagt, auch sie seien ganz salzig
und sonderten Stoffe ab.
(vielleicht sind sie die Urheber des Sees)

Ich setze mich auf einen Steinquader
und betrachte den Mundapparat der Libellen.
Er hat eine flügelähnliche Form.
Und verflüssigt alles (Luft, Licht und Augen)
zu etwas Unsichtbarem.
(das fortwährend wiederkehrt in den Kristallen des Salzes –
so denke ich hier).