Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Donnerstag, 9. Januar 2020

Ausgestorbene Stadt


Wir wohnen in Bergwerken und haben uns Kammern in die Stollen geschlagen.

Es gibt sogar Pflanzen.

Sie wachsen im Kunstlicht und sind von blassgrüner Farbe.

Auf Bildschirmen betrachten wir, was draußen geschieht.

Zwischen unseren einstigen Häusern verlaufen jetzt Sandstraßen.

Gläsern liegt die Stadt im gleißenden Licht.

Die Sonne scheint jetzt immer.

Es gibt keine Nacht mehr.

Wir sind über Schaltkreise miteinander verbunden -

und haben auch Maschinen dazwischengeschaltet (oder sie sich).

Die Dächer unserer Behausungen sind mit Spiegeln abgedeckt.

So trifft die Strahlung jetzt jene Gebiete, wo einst Wälder waren.

Hier unten verläuft unser Leben im Kreis:

Etwas geht. Etwas kommt. Etwas geht wieder.

Auch unsere Stimmen sind anders geworden.

Sie klingen wie Farn.

Und ihnen ist eine Sehnsucht eingeschrieben,

die nur wir lesen können.

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