Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Mittwoch, 25. Februar 2015

Fluid House


Ich ging die Straße hinunter Richtung Fluss. Fast Mittag. Ein sonniger Herbsttag. Ein Tag, wie ich ihn mag. Dann die Häuser am Ufer. Ein Schild im Fenster: Zu vermieten. Eine Telefonnummer. Ich wähle. Sind Sie das da unten? Kommen Sie doch gleich rauf. Ich gehe zur Tür. Sie springt auf. Ich bin hier oben. Guten Tag. Kaffee? Wasser? Nehmen Sie doch Platz. Sind Sie hier aus der Gegend? Nun, die Wohnung – ich hole die Schlüssel. 12 Parteien. Mieterstruktur gemischt. Freundliche Leute. 400 warm. Sehen Sie sich in aller Ruhe um. Zimmer mit Holzdielen. Schlicht. Platz für Bett und Schreibtisch. Zwei Bücherregale. Großes Fenster. Nach Südwest. Kleine Küche. Herd und Spüle. Wannenbad. Hell. Recht gepflegt. Zum ersten November. Weitere Unterlagen? Sie lacht und winkt ab. Papier ist geduldig. Ich unterschreibe. Sie gibt mir die Schlüssel. Zwei Tage später: Der kleine Transporter. Nur eine Fuhre. Alles schnell ausgepackt. Den Schreibtisch ans Fenster gestellt. Das erste Glas Wein. Ich lese. Ich schreibe. Wie ruhig es hier ist. Die erste Nacht. Traumlos. Zufrieden. Ein längeres Bad am Morgen. Kaffee und Croissant in der Küche. Jetzt an den Schreibtisch. Mein geliebter Schreibtisch. Doch wo ist mein Schreibtisch? Kann ein Zimmer etwas verschlucken? Dieses Zimmer? Ein Spiel mit mir spielen? Ich sehe was, was du nicht siehst. Oder: Es war einmal. Es war einmal ein Schreibtisch. Ein Schreibtisch an einem Fenster.  Metallgestell. Die Arbeitsplatte schwarz lackiert. Darauf ein paar Bücher. Stifte. Papier. Notizen. Ein Stein. Mir ist warm. Ich öffne das Fenster. Unten der Garten. Ein Metallgestell. Schwarz lackierte Arbeitsplatte. Ich gehe hinunter. Öffne die Gartentür. Stifte. Papier. Notizen. Ein Stein. Da ist auch ein Stuhl. Ich setze mich. Nehme einen Bogen Papier. Einen Stift. Ich ging die Straße hinunter Richtung Fluss. Fast Mittag.

Dienstag, 24. Februar 2015

Kleiner Formenkreis



I Schriftbild
Das Weiß durchtränken mit einer schwarzen Tinktur.
II Sucht
Nektar naschen aus einer hohlwangigen Flasche.
III Himmelbett
Die Sterne küssen in einer seidigen Nacht.
IV Jahreszeit
Blütenkonserven. Einen Winter lang.
V Flockig
Schneetreiben. Akut.
VI Strömung
Aderlass in großen Seen.
VII Elastan
Müdes Gesicht. Ohne Muskelspannung.
VIII Halogen
Winkliges. Ausgeleuchtet. Dann verschraubt.

Sanduhr



Ein Raum. 10x10 Meter. Glaswände. Metallstreben an der Decke. Von dort oben hängen Wolken herab. Draußen / Außen: Nur Sand. Auf dem Boden: Gras. Blumen. Schmetterlinge. Das Geräusch von Wasser. Leichter Wind. Zur vollen Stunde betritt eine Person den Raum. Ganz in Silber gekleidet. Die Person reißt Blumen aus. Vom Umfang her der Stundenzahl entsprechend. Vorher schreit sie die Blumen an. Die Blumen schnappen. Und beißen die Person. Sie verbeißen sich. In das Silber. Sie zerkauen das Silber. Zu Sand. Der draußen stündlich mehr wird.

Montag, 23. Februar 2015

Leuchtzeiger



Ein unverstellter Schnitt:
3 Figuren
verspeisen
Uhren.
Lichtregie:
Diagonal beleuchten.

Begehung



Ein Gedanke.
Eingeschlossen in
metallischem Acryl.
Dort ein leiser Achsenton.
Der knabbert.
Am Gedanken.
Seit jeher.
Treibt ihn auf die Luft zu.
Dann verbrennt auch sie.