Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Sonntag, 6. September 2026

Bericht

 

Das Licht bewegte sich. Ich dachte an einen Strudel (wie ich ihn aus weißen Bergflüssen kannte).

Und die Schnecken waren wieder da. Ziegelrote, porige Körper, die anmutig ihre Häuser trugen. Ich wechselte meinen Platz in der Ankunftshalle (so dachte ich). Die Sonne blendete mich. Blendete und tauchte alles in ein flirrendes Licht.

Der Stuhl, auf dem ich saß, war mit Samt bezogen. Zu jeder vollen Stunde ließ ich meine Finger über die weichen Lehnen gleiten. Die Sonne blieb jetzt. Hier war immer Morgen.

Morgen.

Draußen auf dem Asphalt die schweren, gerüsteten Wagen. Niemand fuhr sie. Sie bewegten sich dennoch. Immer auf. Und ab. Immer auf dieser einen Straße. Ich sah auf die große Wanduhr: 6.12 Uhr. 37 Grad. Wie jeden Tag wartete ich auf den Fahrer, der mich zur Tiefsee brachte, dieses milchige Gewässer, das mich erwartete. Ich hatte eine verschwommene Erinnerung an diesen Ort: Künstliche Bäume, importierter Sand, Beachkulisse, ein Sprungturm. Irgendwo versteckt die Wellenmaschine. Das Licht ging aus. Dieses Aus trieb mich hoch. Ich ging zur Treppe und betrat einen silbrigen Aufgang. Irgendetwas murmelte hier. Dann stand ich in einem gemaserten Korridor. Von weither hörte ich das Gebell der Hunde. Ich erschrak beim tiefen Ton einer Glocke, deren Schwingung sich in mir fortsetzte und etwas in mir fand, für das ich keinen Namen hatte. Seitdem lebe ich inmitten von breiten, hochgewachsenen Gräsern, die mich blättrig berühren, wenn der nächste Ton mich erreicht.

 

P.S. Ich habe gesehen, dass der Tau in den Dünen aus anderen Fasern gemacht ist.