Orla Wolf

Orla Wolf
zuckerauge: ISSN 2569-9458

Samstag, 9. Juni 2018

Sonderzahl


Im Gefieder sitzen –
der Alten Welt –
und Kammermusik hören.

Von der Sandbank
zur Grenzstadt hinübersehen –
mit ihren Leuchtfeuern und Schiffen.

Jenseits der Grenze beginnt ein Highway,
der nur durch Kinos führt –
für viele Meilen.

Es ist ein vertrauter Raum,
und ich kenne alle Geräusche,
die mich hier umgeben.

Bis auf eines.

Es kommt von einer Figur
(sie trägt einen weißen Anzug),
deren Sprache ganz verschachtelt ist.

Mehrmals fahre ich wieder ein Stück zurück
(an der Leitplanke steht eine Zahl, die ich nicht kenne),
um ihr nochmal zu lauschen.

Und jetzt verstehe ich:
Place Fantôme.

Freitag, 8. Juni 2018

Konnektivität


Daten spüren – in der Haut.
Sie senden silbriges Felsgestein
hinter mein verspiegeltes Auge.
Und ich sehe die Monde
an der Datumsgrenze.

Dann tauchen Bienen auf
(sie tragen Mäntel).
Es sind Insekten, die mein Gesicht erkennen –
und mich zu der Quersumme
meiner Gedanken befragen.

Dies zu tun, sei gerade in Mode gekommen
(sagen sie) – und auch meine Laute interessierten sie.
Sie seien möglicherweise Signale für einen Verbindungsaufbau.

Dienstag, 5. Juni 2018

PLACE TO BE


(1)
Unsere Ruhezone finden wir
in den Körpern der Eulen.
Unter ihren Zungen ist ein Kokon –
darin schlafen wir.

(2)
Die Festtage verbringen wir
in der Wanduhr.
Dort atmen wir Freizeichen und
schwimmen zwischen unseren Gesichtern.

(3)
Auf einem Flug im Trommelfell schlafen
und Aufzeichnungen machen –
von den Tieren in den Straßen und
der aufbrechenden Jahreszeit.

(4)
Über einen Laufsteg ins Gefieder gehen.
Dort leuchtet eine Kollektion Echos –
gesammelt beim gestrigen Tauchgang.

(5)
Einen Pelz tragen und in einem Telefon leben –
mein zuckriges Gehäuse, in dem alle Bilder
zu Glas geworden sind.

Sonntag, 3. Juni 2018

Teil einer Serie (2)


Die Handlinie gleicht einer Astgabel.
Jemand sitzt darin und macht Geräusche.
Es klingt wie eine Freisprechanlage,
aus der die Wildnis zu mir spricht.
Ich lausche.
Es gibt Hinweise auf Dünen. Und Sonnen.

Dann strömt Schrift aus der Hand,
die ich später auf der Wand lesen werde.
Es ist eine unvollendete Szene –
die Nacht ein Flussbett, das Geröll Telegramme.

Unsere Körper sind jetzt Münder und trinken die Schrift.
Und strömen hinauf in die Nester (zwischen den Astgabeln),
wo wir verkabelte Tiere sind.

Samstag, 2. Juni 2018

Erdachte Geografie

Zur Stimmprobe sehen wir uns
unter dem Meer
(in Maschinenräumen und Brunnen).

Unser sopranistischer Atem fließt über lange Pfade –
bis zu den Äußeren Inseln hin.

Später setzen wir über.

Und sammeln dort die salzigen Fragmente
unserer Stimmen ein.